Essen und Himmel

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Himmel und Essen sieht man überall – ob man will oder nicht. Und manche Bilder sind auch wunderschön!

Essen und Himmel zählen zu den beliebtesten Motiven auf Foto-Sharing-Seiten wie Pinterest, Instagram und Facebook. Das fällt sicher jedem auf, der auf solchen Seiten unterwegs ist. Aber mir war lange nicht klar, warum und welcher Wert daraus hervorgehen kann – nicht für die Fotografen, und schon gar nicht für die Betrachter: Steaks, Bratkartoffel und Kaffeetassen sind für Profis ja schon schwer abzulichten – von Amateuren ganz zu schweigen! Und für Wolken, Sonnenuntergänge und Nachthimmel braucht man einen messerscharfen Belichtungsmesser, lebenslange Erfahrung oder zumindest hochmoderne HDR-Technologie, bis da was anschauliches herum kommt. Dass alle das so toll finden, mit dem Handy draufzuhalten?! ICH brauche das ja ZUM GLÜCK nicht mitmachen, pfff! Dachte ich bis vor Kurzem…

Ok, dachte ich irgendwann, vielleicht probier ich es doch mal… Ich mach mal einfach ein Bild meines Mittagessens. NEIN, wie albern! Das interessiert doch keinen! Ist egal, ich mach’s einfach. Muss ich ja nirgends veröffentlichen… Nein, werd ich MIT SICHERHEIT nirgends veröffentlichen! Aber wenn es alle machen… muss ja irgendwas dran sein. Oder KANN zumindest irgendwas dran sein!

So tat ich es. Ich fotografierte mein Essen – und der zögerliche Versuch war enttäuschend:

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Mein Essen schmeckte gut – sah aber unappetitlich und stinklangweilig aus, und war auch nach dem langen Hin und Her schon kalt.

Ich versuchte es mit dem Frühstück am nächsten Tag noch mal (das konnte zumindest nicht kalt werden…) und das Ergebnis gefiel mir schon etwas besser. Aber das lag vielleicht auch daran, dass ein Close Up oft schon wegen der ungewöhnlichen Perspektive interessanter erscheint. Schön war es noch lange nicht… :

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Das Frühstücksbild gefiel mir schon besser. Aber so lecker, wie es in Echt war, sieht das Brot noch lange nicht aus!

Beim Besuch zuhause erzählte ich meiner Mutter von meinen fotografischen Experimenten. Sie konnte damit wie erwartet nichts anfangen, ich fühlte mich lächerlich und dachte noch, auf den Himmel-Trend springe ich bestimmt nicht auch noch auf. Bis dieses Bild vor mir auftauchte:

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Erst jetzt erkannte ich das Interessante darin, mein Essen zu fotografieren!

Es sind die Hände meiner Mutter beim Sortieren von Buchweizen, einer traditionelle Beilage der russischen Hausmannskost.

Für mich spricht das Bild Bände: Der Buchweizen deutet unseren kulturellen Hintergrund an: In der deutschen Küche kommt er so gut wie gar nicht vor; die weiblichen Hände und der Ehering zeigen klar die Rollenverteilung in unserer Familie: Klassisch, die Frau am Herd; nur ein Paar Hände heißt: Die Kinder sind erwachsen und leben alle außer Haus: Sonst müssten sie nämlich beim Sortieren helfen; das sanfte Licht gibt die Stimmung in der häuslichen Umgebung wieder.

Früher hab ich Buchweizen GEHASST: Es gab ihn gefühlt dauernd, man musste gefühlt stundenlang die kleinen Körnchen sortieren und er schmeckte so wie so FÜRCHTERLICH! Jetzt koche ich ihn manchmal auch, weil er eigentlich ganz gut schmeckt und mich an Zuhause erinnert. Dann sortiere ich ihn selbst ziemlich lange und gründlich…

Dann sah ich auf einmal, warum es alle so toll finden, Essen zu fotografieren! Essen ist eigentlich ein starker Ausdruck unserer Persönlichkeit und Kultur! Was wir essen, wie viel wir es essen, was wir davon teilen usw. Das sagt eigentlich wirklich viel darüber aus, wer wir sind und wo wir leben.

Sicher stecken nicht hinter jedem Bild einer Kaffee-Tasse auf Pinterest kulturelle, gesellschaftliche und persönliche Überlegungen. Hinter den meisten Bildern – und auch hinter den meisten Speisen – steckt wahrscheinlich gar keine Überlegung. Man erinnert sich ja paradoxer Weise oft gar nicht mehr daran, was man eigentlich zu Mittag hatte, weil man in Gedanken wieder wo anders war. Warum sollte man es also nicht festhalten, wenn Essen doch so viel unseres Lebens ausmacht?

Sicher ist es auch ein Trend und vergeht wieder, aber irgendwie wünschte ich mir jetzt NOCH mehr Essensbilder! Und in jedes interpretiere ich dann was rein J Am liebsten würde ich von Wildfremden auf der Straße wissen, was und wie sie gegessen haben, um zu wissen, wie sie so drauf sind!

Und auch Himmel hab ich dann angefangen zu fotografieren… Oft sieht der Himmel auch verdammt schön aus! Und er bleibt nur einen einzigen Moment so! Das ist doch die Essenz der Fotografie! Einen Moment einzufangen, der niemals wieder kommt!

Ok, das reicht mit absurd Interpretieren! Die Farben und die abstrakten Züge an Himmelslandschaften finde ich einfach schön, mehr nicht 😀 Und das merkte ich erst, als ich mich darauf einließ, auch ganz banale Sachen mit dem Handy zu fotografieren, wie z.B. mein Mittagessen…

Hier seht ihr also eine kleine Auswahl meiner liebsten eigenen Bilder von Himmel und Essen.

Bleibt am Ball auf Twitter und Pinterest und zeigt gerne eure (un)überlegten Schnappschüsse von den internationalen Lieblingsmotiven her!

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