Ahnenforschung

Meine Eltern am See in Sibirien. Mein Vater wollte den See schon immer einmal sehen.

Meine Eltern am See in Sibirien. Mein Vater meinte, er wolle den See schon immer einmal sehen. 

Einige meiner Freunde beschäftigen sich hin und wieder mit der Erforschung ihres Stammbaums. Sie recherchieren ihre Familie und halten ihre Ergebnisse mehr oder weniger geordnet fest: In Notizbüchern, Ordnern oder Fotosammlungen.

Mich hat es letztens auch zu den Wurzeln meiner Familie zurückgezogen: Mit meinen Eltern und meiner Oma reiste ich im Sommer 2016 in unser sibirisches Heimatdorf Protassovo, das wir 1991 verließen, um nach Deutschland zu kommen. Meine Oma war vor 15 Jahren schon einmal zurückgefahren; für meine Eltern und mich war es das erste Mal, dass wir zu Besuch dort waren.

Das war für mich fast wie Ahnenforschung live. Wir gingen zum Friedhof, auf dem mein Opa begraben war, sprachen mit Freunden meiner Eltern, die dort noch wohnten, und standen vor unserem früheren Haus, das mein Vater von Hand aufbaute.

Meine Eltern erzählten Geschichten darüber, wie sie sich kennenlernten und zeigten Ort, wo meine Schwester und ich als Kinder spielten. Meine Oma war beflügelt vom Gefühl, „zuhause“ zu sein und war auf einmal 20 Jahre verjüngt.

Es war schön, das alles selbst mitzuerleben und ich hatte das Gefühl, ich fand viel auch über mich selbst heraus, ohne dass wir konkret über mich gesprochen haben. Wo komme ich her? Woher haben meine Eltern Eigenschaften, die ich auch von ihnen übernommen hab?

 

Ich frage mich, ob meine Freunde, die theoretische Ahnenforschung betreiben, sich einen ähnlichen Effekt davon versprechen? Möchten sie über sich selbst mehr erfahren? Möchte das vielleicht jeder irgendwann? Ab einem bestimmten Alter, in einer bestimmten Lebensphase? Muss man es selbst erforschen, oder reicht es, wenn man die Familiengeschichte irgendwo nachlesen könnte? Lässt die Vergangenheit der Familie überhaupt Rückschlüsse auf die eigene Persönlichkeit zu?

So viel, wie heutzutage festgehalten wird von Fotokameras, Blogs, Videos und Posts müsste es ein leichtes sein, für unsere Nachkommen mal eines Tages Ahnenforschung zu betreiben. Oder wird es erst interessant, wenn es schwer ist, daran zu kommen? Wird vielleicht der leichte Zugang und die Verfügbarkeit solcher Daten unsere Nachkommen die Lust verderben, sich mit ihrer Familiengeschichte zu beschäftigen?

Fragen über Fragen, also scheinbar doch nicht so viel Klarheit gewonnen 😉