Freudenhaus

Die Tanzhalle des Clubs ist leer

Der Club Flair, a.k.a. Tingel Tangel (ein früherer Name?) oder „Tommy-Puff“, in Paderborn-Sennelager hat nach vielen Jahren geschlossen und wird abgerissen.

Wie so oft im erotischen Milieu, bot auch das Tingel Tangel einigen Mädchen ein lukratives Einkommen neben der Ausbildung oder dem Studium, oder auch als Haupteinkommen. Wie weit die Dienstleistungen gingen – daran scheiden sich die Geister. Zumindest bei denjenigen, die nie als Gast dort waren. Dekorierte Zimmer mit angeschlossenem Badezimmer im ersten Obergeschoss lassen zumindest vermuten, dass es nicht immer beim erotischen Tanzen geblieben ist.

Die Lage des Clubs hätte kaum besser sein können: Direkt gegenüber der größten britischen Kaserne in der Stadt. Seit Ende des zweiten Weltkrieges britische Truppen in Paderborn stationiert, zu Spitzenzeiten rund 4000 Soldaten in fünf Kasernen. Seit die britische Regierung 2010 den Abzug beschloss, verringert sich die Zahl stetig – und damit auch der Kundenstamm von Club Flair.

Viele lokale Unternehmer und Gastronomen in Paderborn stehen dem Abzug der ausländischen Streitkräfte kritisch gegenüber. Einerseits machten und machen junge Briten regelmäßig Schlagzeilen mit Alkoholeskapaden und Schlägereien. Fernab der Heimat und Familie, geprägt von Geltungsdrang und Gruppendruck fielen und fallen die Hemmungen schnell.

Andererseits waren und sind sie und ihre Familien eine kaufstarke Kundschaft. Größere Summen wurden und werden problemlos steuerfrei bezahlt. Und so waren und sind auswärts essen, Geschenke kaufen und Veranstaltungen besuchen der beliebteste Zeitvertreib der früheren Besatzer.

So fürchten manche Geschäftsleute, sie könnten sich bald beim Club Flair einreihen. Die Stadtverwaltung und die örtliche Werbegemeinschaft starten Unternehmungen und Ausschreibungen, um deutsche Kunden stärker zu mobilisieren und um die bald leer stehenden Kasernengelände zu attraktiven Wohn- und Gewerbegebieten zu gestalten.

Nahegelegene frühere Garnisonsstädte, die den Abzug schon vor einigen Jahren durchgemacht haben, wie Dortmund und Osnabrück machen die Paderborner dennoch nervös: Werden die Kasernen zu Ansammlungen von billigem Wohnraum für Sozialschwache oder Flüchtlinge? Verkommen die Innenstädte zu Oasen für Ramschläden und Riesenketten? Wird vornehme Gastronomie vertrieben von Dönerbuden und Schnellrestaurants?

Der Club Flair kann ein Beispiel sein für die Paderborner Geschäftswelt: Er steht für die Glanz-und-Gloria-Zeit der britischen Soldaten in Paderborn, und ist gleichzeitig ein Mahnmal für das lokale Unternehmertum: Erschließt neue Zielgruppen, sonst regnet es bald auch bei euch durch die Decke.