Karriere

Karriere. Was das ist, kann man z.B. hier nachlesen. Aber was bedeutet das wirklich? Heißt Karriere, dass man mehr Geld verdient, dass man Personalverantwortung hat? Dass man finanziell ausgesorgt hat für’s Alter? Dass man zufrieden ist in seinem Job? Und wenn man das erreicht hat, hat man dann das Ende seiner Karriere erreicht, oder muss es immer weiter gehen? Ist die Karriere die gesamte Laufbahn im Arbeitsalter? Dann hätte ja jeder, der Arbeit hat, auch eine Karriere. Ich hab aber keine.

Oder zumindest fühle ich mich nicht so, als hätte ich Karriere gemacht. Meine Jobs waren bisher alle zusammenhanglos, zwar mit jeweils mehr Geld, aber ohne große Erfüllung irgendwelcher Lebensträume. Was die Lebensträume anging, sogar noch absteigend: Der erste Job beim Verband deutscher Lokaltzeitungen hatte immerhin entfernt was mit Journalismus zu tun. Nebenbei hab ich auch noch beim Straßenfeger als Fotografin mitgearbeitet.

Im Studium sagten meine Dozenten oft, dass ich „es schaffen“ würde. Von den Journalismus-Lehrern bedeutete mir das am meisten, die hatten immerhin beide eine weltbewegende Karriere im Journalismus hinter sich. Die Politik-Dozenten, die an mich glaubten, hatten immerhin im EU-Parlament gearbeitet.

Was bedeutete das aber nun? Dass ich Karriere im Journalismus machen sollte? Oder in der Politik? Im besten wäre politischer Journalismus dabei rausgekommen, oder? Zumindest deutete nichts auf einen Assistentinnen-Job im IT-Projektmanagement in einer deutsche Provinzstadt hin.

Habe ich es also nicht geschafft?

Ich wünschte mir, ich hätte eine Karriere als Fotografin gemacht. Da wüsste ich, was das bedeuten würde: Ich würde mich mit Themen beschäftigen, die mich interessieren, und hätte dafür ein großes Publikum aus gebildeten Lauten. Meine Bilder würden in verschiedenen Galerien und in spezifischen Magazinen gezeigt werden. Und die schönsten (Landschafts-)Aufnahmen würde ich mir eingerahmt in der Wohnung aufhängen. Geld? Weiß ich nicht, aber davon hätte ich irgendwie genug zum gut Leben. Und das persönliche soziale Umfeld wäre verständnisvoll, ausgeglichen und interessiert an meiner Arbeit.

Die Fotografen, die mir so eine Karriere aufzeigen (oder wo ich zumindest denke, dass sie so ein Leben führen), arbeiten für die Agentur Magnum und machen beeindruckende Reportagen über Zustände sowie in fernen Ländern, als auch in den heimatlichen Landstrichen. Kann ich das nicht auch? Zumindest die heimatlichen Strukturen könnte ich abbilden. Mein 08/15-Job und mein Foto-Equipment würden das zulassen.

Die Bilder meiner Idole zeigen eigentlich nur einen großen Unterschied: Sie benutzen ihre Kamera wenigstens. Und das wahrscheinlich sehr sehr häufig. Die abgebildeten Menschen scheinen den Fotografen und sein Gerät gar nicht wahrzunehmen, so sehr sind sie verschmolzen miteinander und mit der Situation. Und meine Kamera? Die verstaubt.

Dabei war ich schon mal viel weiter. Die Bilder aus dem russischen Waisenhaus zeigen, dass ich es auch kann: Mich als Fotografin engagieren, in neue Situationen hineingehen, wahrnehmen, analysieren, einstellen und richtig auslösen. Ich hab das nicht verloren, ich bin nur aus der Übung.

Und das ist wahrscheinlich auch eine Eigenschaft einer Karriere: Sie kommt dich nicht abholen, und bemüht sich auch nicht um dich. Egal, ob Karriere „persönliche Laufbahn im Berufsleben eines Menschen“ bedeutet oder „Veränderung der Dienstleistung mit sozialem und/oder wirtschaftlichem Ausstieg“, ohne Engagement in deinem Bereich passiert nichts.