David, der Profi

David und ich kennen uns seit 15 Jahren. Ich war Schülerin und arbeitete als Aushilfe im Fotostudio, das seinem Onkel (meinem späteren Ausbilder) gehörte. In den Ferien half David auch dort aus, und so arbeiteten wir oft zusammen und lernten uns ziemlich gut kennen.

Mittlerweile ist David als IT Berater selbstständig. Er lebte einige Zeit lang in Thailand und Südafrika. Vor kurzem hat es ihn, so wie mich vor 5 Jahren, zurück nach Paderborn gebracht.

Die Bilder machten wir für seine Website www.davidkogan.de, die er neben www.upwork.com als seine Plattform nutzt, um Aufträge zu generieren. Ihm ist es wichtig, sich (potenziellen) Kunden so zu präsentieren, wie er ist, ohne sich hinter Konventionen oder Klischee-Darstellungen zu verstecken. Er findet, Arbeit und Persönlichkeit müssen Hand in Hand gehen, um Wohlbefinden zu schaffen und die eigene Lebensqualität zu erhöhen.

Damit hat David ohne Zweifel einen modernen Ansatz, was Arbeit angeht. Laut diesem Artikel in Die Zeit ist einer von acht Arbeitnehmern unglücklich am Arbeitsplatz. Für viele davon ist eine Selbstständigkeit, so wie David sie umsetzt, wahrscheinlich nicht der richtige Weg. Ihn scheint dieser Lebensstil jedoch richtig zu beflügeln.

Das Bild vom Digital Nomad, der auf Dauer-Reise ist und von der Hängematte aus arbeitet, bedient er dabei nicht. Südafrika war eine Spaß-Reise und in Thailand hatte er eine Wohnung mit Büro, eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio und was sonst noch zum sesshaften Leben dazugehört. Das, was ihm am Leben als Freelancer gefällt, ist, dass er seinen Tagesablauf 100% selbst bestimmen kann. „Für mich hat seit Jahren kein Wecker mehr geklingelt“, sagt er. An Tagen, an denen er sich produktiv fühlt, arbeitet er viel und lang. An Tagen mit wenig Motivation arbeitet er dafür wenig, manchmal auch gar nicht, ohne schlechtes Gewissen oder Rechenschaft.

Der Wunsch nach einer flexiblen, projektbezogenen Arbeitsweise sein elitär und nur für Firmen mit gebildeten Büro-Arbeitern umsetzbar, besonders eben IT, las ich letztens. Das stimmt wahrscheinlich, denn ein Fließband in der Produktion z.B. kann nicht besonders flexibel betrieben werden. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir, dass mehr/alle Arbeitnehmer ein Modell finden können, das zu ihnen passt, ihren Werten entspricht und tatsächlich ihre Lebensqualität erhöht.