Die Wohnung meiner Kindheit

Dies ist meine Schreibübung zum Kapitel 2 des Kurses Schreiben hilft! Dir auch? mit Doris Dörrie auf der Online-Plattform für Medienkompetenz Bürgerakademie von Correctiv. Ich finde den Kurs sehr inspirierend und werde meinen Blog ab jetzt auch dafür nutzen, meine Schreibübungen zu veröffentlichen.

Unsere Wohnung war überall weiß gefliest. Gefliest ist sie immer noch, sie ist aber nicht mehr unsere, sondern nur noch die meiner Eltern.

Es gibt in der Wohnung Bodenheizung, aber die Fliesen waren für mich trotzdem immer kalt. Außer einzelne, die waren immer viel zu warm.

Nachts kamen aus dem Stromkasten immer komische Klick-Geräusche. Ich hatte Angst, wenn ich die Geräusche hörte, als alle geschlafen hatten. Oder dann hatte ich RICHTIG VIEL Angst, ich hatte nämlich auch Angst, wenn ich sie hörte, wenn noch jemand wach war. Ich dachte dann: Hab nur ich das gehört? Schöpfen die keinen Verdacht? Hier stimmt doch was nicht!

Das Nachtlicht war eine ganze zeit lang an, auch als ich eigentlich schon zu alt dafür war, und meine Zimmertür war auf. Durch das Milchglas der Wohnzimmertür konnte ich sehen, wenn meine Eltern ins Bett gingen.

Der Balkon der Wohnung ist das Highlight. In meinen Erinnerungen steht immer Wassermelone auf dem runden Tisch. Die Bank ist aus Holz, die Fensterläden sind auch aus Holz, die Tischplatte ist aus Stein oder Plastik. Die Sonne ist warm und scheint bis spät abends hinauf.

Die Blumenkästen sind auch aus Holz, dekorativ im Stil, der irgendwie dem einer Almhütte ähnelt.

Auf dem Balkon essen wir Wassermelone bis zum Abwinken, damals wie heute. Die großen vom Russen oder Türken, eine hat mal 15 kg gewogen! Wir essen die kerne mit, außer meiner Schwester, glaube ich.